BAG Fanprojekte

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Aktuelles

Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte zu behördlichen Gästefan-Verboten

Zum Punktspiel der 2. Bundesliga des FC St. Pauli gegen FC Hansa Rostock am 22.04.2012 in Hamburg wurde seitens der Polizei dem gastgebenden  Verein mittels einer Verfügung untersagt, Gästetickets an Fans des FC Hansa Rostock zu verkaufen. Dieser Vorgang ist in der Bundesligageschichte einmalig und würde bei einer endgültigen Entscheidung einen Präzedenzfall in Deutschland hervorrufen.

Das Verbot eines Verkaufes von Gästetickets gleicht einer Kriminalisierung aller Hansafans und verschärft die vorherrschende Stigmatisierung der Fußballfans als „potenzielle Störer“ und „Krawallmacher“.

Gerade in Anbetracht des Umdenkens beim DFB, dass ein Gästefanverbot weder durchzusetzen noch zielführend ist, lehnt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V. (BAG) diese Art der Reglementierung ab und fordert ein Umdenken der Sicherheitsbehörden und der Polizei. Ein solch repressives Mittel ist keine Lösung und trägt weiter zu einer Manifestierung von Feindbildern bei.

Die BAG unterstützt ausdrücklich die Reaktionen der betroffenen Vereine FC St. Pauli und FC Hansa Rostock, welche sich damit für ihre Anhängerschaft stark machen.

i.A. Matthias Stein
BAG Sprecher

 

Erklärung der BAG West zu den aktuellen Vorfällen in der Kölner Fanszene „Wilde Horde“ Köln

Nach den Ereignissen rund um die Kölner Fangruppierung „Wilde Horde“ geriet auch das nach dem NKSS arbeitende Kölner Fan-Projekt in die Kritik. Dass einige wenige Fangruppen derartige Gewalttaten begehen, ist erschreckend genug. Hier aber den Fan-Projekten die Verantwortung für solche Eskalationen anlasten zu wollen, geht am Problem vorbei, denn verantwortlich sind immer noch diejenigen, die die Gesetzesverstöße begehen. Solche Taten sind vielmehr Anlass, diese in den jeweiligen Fangruppen aufzuarbeiten. Dies ist ein Kern der Fansozialarbeit. Sie ist prozessorientiert und daher langfristig angelegt. Rückschläge können niemals der Anlass sein, dieses pädagogische Konzept grundsätzlich in Frage zu stellen. Wir als BAG West unterstützen daher die im Folgenden verlautbarte Presseerklärung unserer Kölner Kollegen.

Pressemitteilung
 zu den aktuellen Vorfällen in der Kölner Fanszene „Wilde Horde“ Köln

Streetwork und die Arbeit mit der Aktiven Fanszene können nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Die Vorfälle der jüngsten Zeit, insbesondere der Angriff der Ultragruppierung „Wilde Horde“ auf den Bus der Fußballfans aus Mönchengladbach anlässlich der Rückreise vom Spiel TSG Hoffenheim – 1.FC Köln am 04.03.2012 machen nun aber eine Erklärung des sozialpädagogischen Kölner Fanprojektes notwendig.

Die Mitarbeiter des sozialpädagogischen Kölner Fanprojekts sind sehr erschrocken über die Übergriffe auf den Reisebus auf der Autobahn am 04.03.2012 und auf die Fans von Borussia Mönchengladbach. Diese Aktion hat nichts mit Fankultur zu tun und ist insbesondere in Anbetracht der Gefährdung von Leib und Leben der Gladbacher Fans nur kriminell zu nennen. Diese Haltung teilen im übrigen sehr viele Fußballfans der Südkurve, die sich der Ultrabewegung zurechnen. Es wird erwartet, dass Polizei und Justiz diesen Übergriff strafrechtlich verfolgen und entsprechend bewerten.

Solche Verhaltensweisen sind mit pädagogischer Intervention eines Fanprojektes nicht zu verhindern. Christoph Geißler, Fachberater des Trägers JugZ gGmbH zu dem Vorfall: „Ich erwarte nicht von meinen Mitarbeitern, dass sie Gewalt- und Straftaten verhindern könnten. Sie arbeiten präventiv und auch mit den gewaltgefährdeten jungen Menschen.“

Diese Aufgabe sieht das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) vor, notwendig ist die Rückbindung der Fans an den Verein. Daran arbeitet das pädagogische Fanprojekt seit Jahren kontinuierlich, jedoch weitgehend ohne öffentliche Präsentationen. Wichtiges Ziel ist, dass sich die Fangruppen nicht vom Verein abwenden, sondern mit dem Verein gemeinsam ihren positiven Beitrag zu einer stimmungsvollen Kurve im Stadion leisten. Notwendig ist, dass sie immer wieder in die normale Alltags-Welt zurück finden. Das Kölner Fanprojekt ist mit allen Beteiligten (den Ultras, der Polizei, dem Ordnungsamt und dem Verein) in einem moderativen Dialog. Nicht nur der Fanbeauftragte des 1.FC Köln, Rainer Mendel, sieht die Vermittlerrolle als unentbehrlich an.

Als eine der größten Ultra-Gruppen gehörte auch die Wilde Horde zu einer der Zielgruppen dieser Arbeit. Das Pädagogische Fanprojekt begleitet die Ultragruppen auch in problematischen Situationen. Leider haben sich offensichtlich interne Gruppenprozesse bei der „Wilden Horde“ sehr negativ entwickelt, die Abgrenzung zu Straftaten funktionierte immer schlechter. Dennoch ist es aus unserer Sicht wichtig, den Kontakt zu den jungen Menschen nicht abreißen zu lassen.

Die Eindämmung von Gewalt im Fußballzusammenhang und die gewaltpräventive Arbeit mit Jugendlichen sind mittelfristige pädagogische Prozesse mit den Methoden der Streetwork. Jugendliche Fans erwarten Verständnis für ihre individuelle Lebenssituation, sie erhalten Hilfe von den Pädagogen. Das Vermitteln von Grenzen ist in pädagogischen Prozessen selbstverständlich, jedoch im niederschwelligen Kontext nur möglich, wenn man die Jugendlichen ernst nimmt und begleitet.
Die größte Chance für eine positive Veränderung der Situation liegt in der Fanszene selbst.

„Fanprojekte sind in der Regel die wichtigste Anlaufstelle, die auch gerade in schwierigen Situationen verlässlich zur Verfügung steht, ein Vorfall wie dieser sollte nicht zum Anlass genommen werden, die Fanprojekt -Arbeit in Frage zu stellen“ sagt auch Marion Kowal von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt.

Die Finanzierung dieser Arbeit erfolgt nach dem NKSS mit je einem Drittelbeitrag in Höhe von 47.500 € durch Stadt, Land und DFL, also mit 142.500€. Die DFL ist bereit, diesen Beitrag auf 60.000 € aufzustocken, wenn die öffentlichen Geldgeber mitziehen.

Sollten Stadt Köln und das Land hier nicht mitziehen und auch keine Sponsoren gefunden werden, muss zum Saisonende eine der drei Stellen gestrichen werden.

Im Übrigen erhalten die Fangruppen, gleich welcher Gruppierung und Ultrabewegung sie zuzurechnen sind, keine Zuschüsse oder öffentlichen Mittel des Landes, der Stadt und der DFL.

Der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger erklärte im Sportausschuss des Deutschen Bundestages im November 2008 zum Deutschen Weg im Umgang mit den Ultragruppierungen: „Wenn es die pädagogischen Fanprojekte nicht schon gäbe, müssten sie erfunden werden.“

Sozialpädagogisches Kölner Fanprojekt
Carsten Blecher, Leitung
Gereonswall 112

50670 Köln

Tel. 0221/16 85 69 74
Fax: 0221/16 85 66 44
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
In Trägerschaft der JugZ gGmbH
Jugendzentren Köln gGmbH
Christiantraße 82
50825 Köln

 

Stellenausschreibung FP Dresden

Stellenausschreibung sozialpädagogische Fachkraft

Der freie Träger der Jugendhilfe Fanprojekt Dresden e. V. sucht möglichst zum 02.05.2012 eine sozialpädagogische Fachkraft - Diplom-Sozialpädagoge/in oder Pädagoge/in oder mit vergleichbarer Qualifikation in Vollzeit (40,0 Stunden/Woche) zur Erweiterung des bestehenden Teams.

Unsere sozialpädagogischen Angebote und Projekte der offenen Jugendarbeit orientieren sich an den gesetzlichen Grundlage des SGB VIII §§ 11 u. 13 und dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit. Die Hauptzielgruppe sind dabei jugendliche Fußball-Fans der SG Dynamo Dresden. Im Mittelpunkt des Handlungsansatzes steht eine intensive Betreuung und Begleitung (speziell bei Heim- und Auswärtsspielen der SG Dynamo Dresden), Beratungsangebote und Netzwerkar- beit mit tangierenden Institutionen im Fußballkontext.

Zu den Hauptaufgaben gehören:

  • aufsuchende Jugendsozialarbeit mit Jugendlichen und jungen Heranwachsenden der Alters gruppe 12 bis 27 Jahren (beinhaltet die Teilnahme bei Spielen der SG Dynamo Dresden),
  • praxisorientierte Umsetzung und Weiterentwicklung der Projektkonzeption
  • Betreuung des offenen Fantreffs (Absicherung der Öffnungszeiten)
  • Beratungstätigkeiten / Einzelfallhilfen

Unsere Erwartungen:

  • mehrjährige Berufserfahrung in der Jugendsozialarbeit - Fähigkeit zur Konfliktbewältigung
  • Entscheidungs- und Verantwortungsbereitschaft
  • Fähigkeit zu selbstständigem Arbeiten
  • Teamfähigkeit und Bereitschaft zur Fortbildung
  • Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten (überwiegend Dienst in den Abendstunden und an Wochenenden)
  • physische und psychische Belastbarkeit, schnelle Einarbeitung
  • Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung
  • EDV-Kenntnisse sind erwünscht
  • Bewerber/in sollte Fahrerlaubnis (für PKW) besitzen

Die Stelle ist vorerst auf ein Jahr befristet – mit der Option auf Weiterbeschäftigung in Abhän- gigkeit öffentlicher Förderungen.
Die Vergütung erfolgt entsprechend Haustarif in tariflicher Anlehnung.
Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte bis zum 31.03.2012 mit Lichtbild, Lebenslauf und Nachweis über Ausbildung und bisherige Tätigkeit an Fanprojekt Dresden e.V. Torsten Rudolph – Löbtauer Str. 17 – 01067 Dresden bzw. t.rudolph@fanprojekt- dresden.de
Bitte Verzichten Sie bitte auf das Einreichen von Mappen – Sie erleichtern uns und Ihnen die Arbeit! Wir freuen uns auch auf digitale Bewerbungen.

 

FP Bochum: Runder Tisch in Bochum

Der Fußball ist, wie es so schön heißt, in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die schönste Nebensache der Welt ist aber mehr als bloßer Zeitvertreib, sie ist zugleich Integrations- wie auch Partizipationsmotor. Diesen Punkten widmeten sich zahlreiche Vereins- und Fanprojektvertreter auf einer Tagung im rewirpowerSTADION.

Geladen hatte die Robert Bosch Stiftung, die von den jeweiligen Vertretern wissen wollte, ob und wie gut der Fußball als Plattform für gesellschaftliche Eingliederung und Teilhabe am sozialen Leben funktioniert. Es wurde zunächst am runden Tisch diskutiert, am zweiten Tag gab es zudem eine prominent besetzte Podiumsdiskussion, an der seitens des VfL Vorstandsmitglied Ansgar Schwenken und Lizenzspieler Mimoun Azaouagh teilnahmen. Zudem waren Heiko Buschmann (Chefredakteur RevierSport), Gerd Dembowski (Autor & Fanforscher), Dolf Mehring (Leiter des Jugendamtes der Stadt Bochum) und Werner Stürmann (Abteilungsleiter des NRW-Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) Gäste der Talkrunde, die von WDR-Moderator Stefan Göke geleitet wurde.

Im Blickpunkt der gesamten Veranstaltung, die unter dem Motto „Politische Bildung im ‘Lernort Stadion’ stärken“ lief, standen vor allem die so genannten Lernzentren, also jene sozialen Einrichtungen der bundesweit zwölf Fanprojekte, in denen außerschulisch Jugend- und Bildungsarbeit angeboten wird. „Das Stadion ist ein außergewöhnlicher Lernort“, fasste Ralf Zänger, Leiter des Bochumer Fanprojekts zusammen und berichtete von erstaunlichen Lernerfolgen. Die Lernzentren im Umfeld der Fußballclubs bieten bildungs- und politikfernen Jugendlichen die Chance, an Anti-Aggressions- sowie an Kommunikationstrainings teilzunehmen. Ziel sei es, so Zänger weiter, „die jungen Leute in ihrer Persönlichkeit zu stärken“. Damit diese Lernerfolge aber auch nachhaltig wirken, sei die Schule gefordert. „Und da“, sagt Zänger, „stoßen wir ab und zu an unsere Grenzen.“

Dass der Fußball ein fabelhafter Integrations- und Partizipationsmotor sein kann, darüber waren sich alle nahezu einig. VfL-Vorstand Ansgar Schwenken verwies auf die große Zahl an Fußballern innerhalb der Vereine des DFB, in denen die Mannschaften quer durch alle Milieus und Bevölkerungsschichten aufgestellt seien. Auch Mimoun Azaouagh, dessen Migrationshintergrund thematisiert wurde, meinte, dass es ihm „sehr, sehr einfach gemacht wurde, um als Fußballer von der Gesellschaft und in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Ich habe dort so viele Kulturen kennen gelernt wie in vielleicht keinem anderen Job.“ Die Lernzentren sind laut „Aza“ eine gute Sache, denn: „Taten sind immer besser als Worte.“

Eines der großen Themen aktuell wie in naher Zukunft ist laut Ansgar Schwenken der Kampf gegen Homophobie und Sexismus. „Diese Form der Diskriminierung gilt es einzudämmen. In punkto Rassismus ist das im Laufe der Zeit immer besser gelungen. Rassistische Anfeindungen kommen in den Bundesligastadien kaum mehr vor. Dieses Phänomen tritt eher in den Amateurklassen zutage.“

 

Offener Brief der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte zu den öffentlichen Angriffen auf die Fanprojekt-Mitarbeiterin in Aachen, Kristina Walther

In Aachen ist die Leiterin des dortigen Fanprojektes, Frau Walther, von Alemannia-Fans in nicht hinnehmbarer verbaler Weise persönlich angegriffen worden. Diese Fans, die zum Teil aus dem Umfeld des NPD-Aktivisten Sascha Wagner kommen, bezichtigen Frau Walther des „Linksextremismus`“ und fordern öffentlich gegenüber der Geschäftsführung von Alemannia Aachen und nicht nur dort die Abschaffung des Fanprojektes.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) stellt sich mit diesem Brief hinter die Fanprojekt-Kollegin aus Aachen, Kristina Walther. Frau Walther arbeitet, wie es ihrem Auftrag entspricht, nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS). Dieser Auftrag umfasst ausdrücklich auch die Thematisierung und Bekämpfung extremistischer Tendenzen in den Fanszenen des jeweiligen Bezugsvereins. Offensichtlich hat genau diese Arbeit einen wunden Punkt bei einem kleinen Teil der Aachener Fanszene getroffen, denn nur so lassen sich deren Diffamierungen gegen sie erklären. Die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten  gegen extremistische Tendenzen ist zudem ein Anliegen, dass alle 50 sozialpädagogischen Fanprojekte in Deutschland verfolgen und deshalb geht es hier auch mehr als nur um die Person Frau Walther. Es geht um die Haltung des Fußballs insgesamt zu solchen Problemstellungen.

Wir als BAG werden Frau Walther im Sinne ihrer Arbeit unterstützend zur Seite stehen. Wir erwarten allerdings auch, dass diese Unterstützung von allen am Profifußball beteiligten Institutionen ausgeübt wird. Der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus ist sicherlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie sollte nur eben da zuvorderst angegangen werden, wo solche Tendenzen schon sichtbar sind und sich auszubreiten drohen. Der Fußball sieht sich mit diesen Problemen regelmäßig konfrontiert und muss sich deshalb entsprechend und eindeutig positionieren.

Wir sind uns aber sicher, dass der Verein Alemannia Aachen klar Stellung beziehen wird und werden ihn hierfür in jedweder Form unterstützen.

 

Die Sprecher BAG Fanprojekte

Matthias Stein
Thomas Beckmann

Jena/ Mainz 20.12.2011

 

Erfolgreiche Aktionstage in Köln gegen Rechtsextremismus im Sport

Sport hat in unseren heutigen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. In einem Sportverein aktiv zu sein gehört bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen seit Jahren zum Alltag, sie schätzen u.a. den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl. In zunehmendem Maße versuchen Rechtsextremisten, dies zu nutzen und den Sport als Plattform zur Verbreitung ihres rassistischen Gedankenguts zu missbrauchen. Sie agieren als Spielführer, Trainer, Übungsleiter, Sponsor oder „engagieren“ sich in anderen Funktionen innerhalb des Vereins. Auch im Sport selbst und auf den Fantribünen kommt es immer wieder zu rechtsextremen und diskriminierenden Zwischenfällen. Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und um dagegen aktiv zu werden, fanden Ende Oktober in Köln Aktionstage „Gegen Rechtsextremismus im Sport“ statt.

Im Rahmen der FARE ACTION WEEK 2011, bei der europaweit vielfältige Veranstaltungen gegen Rassismus durchgeführt wurden (siehe www.farenet.org), organisierte ein Kölner Arbeitsbündnis (Sozialpädagogisches Kölner Fanprojekt, FC-Ultrà-Fangruppe Coloniacs, BiBeriS – Bildung & Beratung im Sport) vom 19.-31. Oktober zum vierten Mal Aktionstage gegen Diskriminierung im Sport. Mit einem Fußballturnier für Jugendliche, einer thematischen Ausstellung über rechte Parteien und ihre Ideologien, einem Fachvortrag zur rechten Kultur/Symbolik sowie der Lesung „Angriff von Rechtsaußen“ konnte sich dem Thema „Rechtsextremismus im Sport“ erfolgreich genähert werden. Interessierte KölnerInnen und Akteure des Kölner Sports wurden auf diese Weise informiert und so für die doch bedenklichen Entwicklungen in unserer Gesellschaft sensibilisiert.

Zum Auftakt der Aktionstage veranstaltete das Sozialpädagogische Kölner Fanprojekt in Kooperation mit Köln Kickt, dem Fußballprojekt der RheinFlanke GmbH, ein Fußballturnier für Jugendliche unter dem Motto „Mehr als ein 1:0 – Fußballkultur gegen Rassismus“. 16 Teams von verschiedenen Kölner Jugendeinrichtungen spielten im Schatten des RheinEnergie-Stadions auch um einen speziellen Fair-Play-Pokal, am Ende eines sportlichen Tages konnten sich dann alle TeilnehmerInnen als Gewinner fühlen. Ein paar Tage später lud das Arbeitsbündnis zum Fachvortrag „Rechte Lebenswelten im Sport – Marken, Zeichen & Lifestyle“ in die Räumlichkeiten des Fanprojekts. Hans-Peter Killguss, der bei der Info- & Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs) in Köln arbeitet, referierte über die Symbolik rechter (Jugend)Kultur, die auch im Sport, in Vereinen und in Fußballfankurven zu finden ist. Er informierte über Kleidermarken wie „Thor Steinar“, über Musikbands wie „Landser“ und über Zahlencodes (z.B. 88 für Heil Hitler), die in neonazistischen oder extrem rechten Gruppen zu beobachten sind. Begleitend zum Vortrag war die Ausstellung „Gegen Rechtsextremismus in Köln/im Sport“ zu sehen, die vom Jugendclub Courage initiiert wurde. Auf 26 Schautafeln zeigte diese Hintergründiges zu Ideologien, Parteien und Symbolik rechtsextremer Kultur, auch stellte sie Wissenswertes über rassistische Vorfälle im (Fußball-)Sport und zu vielfältigen Gegenaktivitäten dar. Die Ausstellung konnte bis zum Ende der Aktionstage noch an der Sporthochschule Köln sowie beim Heimspiel des 1.FC Köln gegen den FC Augsburg vor der Südtribüne des Stadions bewundert werden. Hunderte, meist jugendliche Fußballfans nutzten dort die Möglichkeit, sich selbst und auch die eigenen Verhaltensweisen auf den Zuschauerrängen zu hinterfragen.

Zum Abschluss der Aktionstage 2011 fand im Sport- & Olympiamuseum Köln die Lesung „Angriff von Rechtsaußen“ statt. Der Journalist und Autor Ronny Blaschke (Berlin) hat für sein gleichnamiges Buch mit dem Untertitel „Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ mehrere Beispiele aus dem Sport intensiv recherchiert und anschaulich eine Unterwanderung durch rechtes Gedankengut dokumentiert. So konnte er von einem Interview mit einem Parteifunktionär der NPD berichten, der als Fußballfan von Lok Leipzig öffentlichkeitswirksame Wahlwerbung veranstaltete. Auch beschrieb der Autor, wie ein sozialpädagogisches Fußballfanprojekt mitsamt seiner staatlichen Fördereinnahmen durch besonderes „Engagement“ eines Fanclubs (Blue Cabs) für die NPD vereinnahmt wurde. Ein drittes Beispiel beschrieb einen Schiedsrichter in Lüdenscheid, der privat wegen rechter Hetzpropaganda verurteilt wurde - nun pfeift er Jugendfußballspiele auch mit Migrantenvereinen und beeinflusst die politische Meinung der jungen Sportler. Doch Rechtsextreme im Sport seien keine Einzelfälle, sagte Blaschke, was auch die anschließende Diskussion herausstellte, bei der sich auch Andreas Schmidt vom Kölner Fanprojekt und Bodo Coombs-Robeck vom schwullesbischen FC-Fanclub Andersrum Rut-Wiess auf dem Podium den Fragen der Anwesenden stellten. Über 100 Personen waren an diesem Abend gekommen, sie wurden mit informativen Materialien und Fachbroschüren versorgt, die am Infotisch von „BiBeriS - Bildung & Beratung im Sport“ verteilt wurden, und alle gingen mit der Erkenntnis nach Hause, jetzt im eigenen Umfeld gegen Rechtsextremismus im Sport aktiv zu werden.

Auch nach den erfolgreichen Aktionstagen geht die Arbeit gegen Rassismus im Sport weiter. BiBeriS organisiert einen Folgeworkshop, bei dem Beispiele aus der Sportvereinspraxis besprochen und mögliche Lösungsansätze behandelt werden. Besonders der Fußball-EM 2012 in Polen/Ukraine gilt danach die Aufmerksamkeit, einzelne Projekte, die sich gegen die Gewalt in den Fußballstadien richten und sich vielmehr für eine Förderung internationaler Fanfreundschaften einsetzen, sind bereits geplant.
Jörg Stenzel (BiBeriS), Andreas Schmidt (Kölner Fanprojekt), Coloniacs (Ultràs 1.FC Köln)

 

IT-Fitness-Camp in den Herbstferien

30 Jugendliche trainieren mit den Münchner Löwen, lernen für ihre Zukunft und sind Gäste der Allianz-Arena
Mehr als 30 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren haben in den Herbstferien am IT-Fitness-Camp im Freizeittreff Freimann teilgenommen.
Das dreitägige IT-Fitness-Camp wurde vom „Fanprojekt München“ und dem IT-Bildungsnetz e.V. organisiert und richtete sich an fußballbegeisterte Jugendliche aus München und Umgebung. Ziel war, mit dem Herbstferienprogramm jungen Menschen eine andere Art der Berufsvorbereitung zu ermöglichen – natürlich kostenfrei.
Die Lernangebote im IT-Fitness-Camp verstanden sich dabei als ergänzende und weiterführende An¬gebote zum Schulunterricht und dienten der Ausbildungsvorbereitung. Neben IT-Kursen zur Vermittlung von Grundlagen im Umgang mit Hardware und Software und Bewerbungstrainings absolvieren die Teilnehmer ein vielfältiges Sportprogramm, mit dem auch die soziale Kompetenz der Teilnehmer gefördert wurde. Neben einem Boxtraining, einer Einheit zur Selbstverteidigung und einem HipHop-Kurs stand ein besonderes Highlight auf dem Programm: Eine Trainingseinheit mit dem Trainerteam des TSV 1860 München. Cheftrainer Reiner Maurer und Co-Trainer Alex Schmidt übten mit den Jugendlichen Standardsituationen und zeigten ihnen Tricks und Kniffe. Die beiden 1860-Profis Necat Aygün und Manuel Schäffler gaben die Trainer-Assistenten und unterstützen die Camp-Teilnehmer bei ihren Übungen. Der Spaß kam dabei natürlich nicht zu kurz.
(vgl. Nachricht bei 1860: http://www.tsv1860.de/aktuell/news/loewen-trainieren-im-it-fitness-camp)
Ins Leben gerufen wurde die Kooperation von Fanprojekt und IT-Bildungsnetz von der State Street Bank GmbH. Im Rahmen ihrer Unterstützung gemeinnütziger Projekte übernahm diese auch die Kosten für die Durchführung des IT-Fitness-Camps. In das Programm eingebunden begleiteten zudem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der State Street Bank die Jugendlichen. Mit ihrem Erfahrungswissen aus der Wirtschaft gaben sie Tipps zum richtigen Auf¬treten bei einem Bewerbungsgespräch und zur Darstellung der individuellen Stärken und Interessen in einer Bewerbung.
Ein großer Dank der Organisatoren geht zudem an den Freizeittreff Freimann und das Projekt JAPS – Jugend Arbeit Perspektiven des Kreisjugendrings München für die tatkräftige Unterstützung.
Zum Abschluss des Camps waren die Teilnehmer Gast in der Allianz-Arena, in der sie auch ihre Camp-Teilnahmeurkunde überreicht bekamen.
Die Freude in den Augen der Teilnehmer bestärkt das Fanprojekt, die Organisatoren und Unterstützer in dem Vorhaben, mit einem IT-Fitness-Camp im nächsten Jahr wieder ein Schulungsprogramm der Extraklasse anzubieten.

 

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte mahnt zur Sachlichkeit

Jena/Mainz 03.11.2011
Mit Besorgnis beobachtet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) die derzeitige Mediendebatte um eine angebliche Ausuferung der Gewalt bei und im Umfeld von Fußballspielen. Durch die enge Arbeit mit jungen Fußballfans und den direkten Kontakt in die lokalen Fanszenen ist es den Mitarbeitern/innen der Fanprojekte möglich, aktuelle Entwicklungen und Stimmungen zu registrieren und darauf angemessen zu reagieren.
Die BAG verfolgt mit Sorge die momentan ausufernde Diskussion über die angebliche Gewaltzunahme im Rahmen von Fußballspielen. Vertreter von DFB und DFL, aus Politik und Gesellschaft und die Polizei erwecken in ihren Ausführungen den Eindruck, dass der Besuch eines Fußballspiels zwangsläufig mit einer Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Unversehrtheit des eigenen Leibes verbunden ist. Die aktuelle Berichterstattung in den Medien führt zu einer Hysterie und geht völlig am Ziel einer sachgerechten und objektiven Auseinandersetzung mit dem Thema der Gewalt beim Fußball vorbei. In der öffentlichen Wahrnehmung wird ein Bild verfestigt, das nicht den Tatsachen entspricht und in dem bspw. die Verwendung von Pyrotechnik pauschal mit „Gewalt“ und „Randale“ gleichgesetzt wird, und die Ultra-Gruppierungen als alleinige Verantwortliche für die aktuelle Lage dargestellt werden. Durch eine solche Sippenhaft einzelner Gruppen sowie die undifferenzierte Berichterstattung, die in weiten Teilen populistische Züge angenommen hat, kommt man dem Ziel der Verringerung der Gewalt beim Fußball keinen Schritt näher. Vielmehr steigt die Gefahr, dass durch die Darstellung falscher Tatsachen und die Panikmache in vielen Presseberichten, die Gewalt im Umfeld des Fußballs noch weiter ansteigt und sich die Fronten weiter verhärten.

Die BAG fordert bei der derzeitigen Diskussion eine Rückkehr zu einer sachlichen und objektiven Berichterstattung und Debatte. Es sollte sich an sachliche Argumente und an Fakten gehalten werden. Dramatisierungen und Hysterie führen nicht zum Ziel, eher wirken sie sich kontraproduktiv aus.

Unabdingbare Voraussetzung aus Sicht der BAG ist, dass es (weiterhin) einen Dialog mit den (betroffenen) Fußballfans/Ultras gibt. Nur durch den offenen und ehrlichen Austausch mit dieser Gruppe ist es möglich, aktuelle Meinungen und Entwicklungen aus den Fankurven zu registrieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, die zielführend und nachhaltig scheinen. Hierzu gehören Verband und Liga mit den Fans/Ultras und deren Organisationen an einen gemeinsamen Tisch. Die Fanprojekte werden diesen Dialog gern auf den Weg bringen, moderieren und begleiten. Nach Ansicht der BAG ist nur über den Weg der Kommunikation und des Dialogs das Ziel zu erreichen, hinter dem alle Fußballfans stehen/stehen sollten: Weniger Gewalt beim Fußball.

i.A. Matthias Stein
BAG Sprecher