Stellungnahme des Jugendhilfswerks zur öffentlichen Erklärung der Fanszene und Fraktionen zu Meldeauflagen und Betretungsverboten in Freiburg

In der letzten Woche veröffentlichten Freiburger Fangruppen eine gemeinsame Stellungnahme mit Lokalpolitikern verschiedener Parteien. In der Stellungnahme reagieren sie auf langfristig durch “die Polizei des öffentlichen Amtes für Ordnung” ausgesprochene Meldeauflagen und Betretungsverbote für Mitglieder der Freiburger Fanszene (https://corrillo.org/gemeinsame-erklaerung-zu-meldeauflagen-und-betretungsverboten-von-sc-freiburg-fans/). Nun beziehen auch die Kolleginnen und Kollegen des Fanprojekts Freiburg mit ihrem Träger, dem Jugendhilfswerk Freiburg e.V., Stellung zu den erneut über mehrere Monate verhängten Maßnahmen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte teilt die fachliche Einschätzung des Fanprojekts Freiburg vollkommen und unterstützt daher ihr Engagement, die einseitige Handlungsweise dieser gravierenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit aufzubrechen und damit eine möglichst objektive und realistische Betrachtung der jeweiligen Fälle zu erreichen.

Die Stellungnahme des Fanprojekts Freiburg im Wortlaut:

“Das Jugendhilfswerk Freiburg e.V. als Träger des Fanprojekts Freiburg möchte sich mit dieser kurzen Stellungnahme aus pädagogischer Sicht zum Thema Meldeauflagen und Betretungsverbote äußern.
Mit unseren nun fast zwei Jahren Erfahrung in der Fanarbeit in Freiburg erleben wir die organisierte Freiburger Fanszene („Ultraszene“) als kreativ, friedlich und vor allem sozial engagiert. Ausnahmen zu diesem Gesamteindruck gibt es, sind aber aus unserer Sicht gering.
Erfahrungsgemäß können reine „Ausschlussmaßnahmen“ wie z.B. Meldeauflagen und Betretungsverbote zu Ausgrenzung und Isolierung der jungen Menschen führen und sorgen letztlich dafür, dass diese nicht mehr von Jugendhilfeeinrichtungen ein –und aufgefangen werden können. Gerade bei Jugendlichen und jungen Heranwachsenden sollten immer auch pädagogische Angebote mitgedacht und eingesetzt werden, wenn es um die Aufarbeitung oder Vermeidung neuer Straftaten geht.

Seit Jahren macht das Jugendhilfswerk mit Angeboten wie Betreuungsweisungen oder dem Täter-Opfer-Ausgleich äußerst positive Erfahrungen in diesem Zusammenhang. (Diese Angebote basieren auf dem Grundgedanken des Jugendstrafrechts: „Die Anwendung des Jugendstrafrechts soll vor allem erneuten Straftaten eines Jugendlichen oder Heranwachsenden entgegenwirken. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Rechtsfolgen und unter Beachtung des elterlichen Erziehungsrechts auch das Verfahren vorrangig am Erziehungsgedanken auszurichten.“ §2, Absatz (1), JGG)

Aus pädagogischer Sicht sollten Meldeauflagen als präventive Möglichkeit, Gewalttaten oder ähnliche gefährliche Situationen in Zukunft zu verhindern, erst am Ende eines Prozesses stehen- mit umfassenden und ganzheitlichen Blick auf die entsprechenden Personen. Da es sich bei den Meldeauflagen um einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte junger Menschen handelt, bedarf es eines sorgsamen und verantwortungsvollen Verfahrens, an dem der Betroffene selbst sowie alle relevanten Akteure in diesem Zusammenhang gehört werden sollten.

In diesem Kontext möchte sich das Fanprojekt Freiburg als professioneller Vermittler anbieten.
– Beteiligung am „Verfahren Meldeauflagen“
Das Fanprojekt Freiburg bietet sich in vermittelnder Rolle als Gesprächspartner für Polizei und das Ordnungsamt an. Aus pädagogischer Sicht würde unsere Beteiligung an diesem Prozess das Bild, welches das Ordnungsamt über betreffende Personen benötigt, um Entscheidungen treffen zu können, komplettieren.
Unserer Einschätzung nach ist es von Bedeutung, dass Betroffene in einer Anhörung Stellung zu den Vorwürfen beziehen können. Gerade für jugendliche Fans sind Beteiligung und Transparenz entscheidend, um z.B. zu den Themen Selbstreflexion und nachhaltiger Verhaltensänderung arbeiten zu können.
– Den Dialog suchen
Das Fanprojekt ist auf verschiedenen Ebenen im Netzwerk tätig und im regelmäßigen Austausch mit den relevanten Akteuren. Seit gut anderthalb Jahren gibt es keinen ausreichenden Dialog mehr zwischen Polizei und aktiver Fanszene. Aus Sicht des Fanprojektes wäre dieser Austausch jedoch erforderlich, um wieder Schritt für Schritt aufeinander zugehen zu können. Auch an diesem Punkt bietet sich das Fanprojekt allen relevanten Akteuren als Vermittler an, um gemeinsam an konstruktiven Lösungen zu arbeiten.

Fanprojekt Freiburg

Carlos Mari  (Geschäftsführer Jugendhilfswerk)

Mirko Schumacher (Leiter Jugendarbeit)

Vorstellung: FanPort Münster

Fan-Anlaufstelle am Preußenstadion

Die aktive Fanszene rund um den SC Preußen 06 e.V. Münster ist trotz der langen Zeit, die der Verein in der vierten Liga zubrachte, in Sachen Support erstklassig. Und wenn es nach der Zuschauerzahl ginge, müsste der Verein nach seinem Aufstieg 2011 in die Dritte Liga dort ganz oben stehen. Doch bringt eine rege Fan-Bewegung auch einiges an Problemen mit sich, angefangen bei der Dynamik an Spieltagen bis hin zu Konflikten mit den Sicherheitsorganen auf den Reisewegen oder einzelner Fangruppen mit der Vereinsführung.

Es war also längst überfällig, als Mitte 2011 auch in Münster ein sozialpädagogisches Fanprojekt ins Leben gerufen wurde. Um Verwechslungen mit der Fanabteilung des Vereins zu vermeiden, die den Namen “Fanprojekt Preußen Münster e.V.” führt, gab man sich den Namen „FANport Münster – Anlaufstelle für Fußballfans“.

Die Arbeit im FANport läuft unter der Trägerschaft der OUTLAW gGmbH, einem anerkannten freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Projektleiter Edo Schmidt arbeitet bereits seit November 2011 im FANport. Seit August 2013 steht ihm Yvonne Buschkühl als hauptamtliche Mitarbeiterin zur Seite. Schließlich kam im Dezember 2013 Florian Meuer hinzu, der seither die U16-Angebote für Jugendliche aus der SCP-Fanszene begleitet. Für die Saison 2014/15 konnte Lea Weischer als Jahrespraktikantin gewonnen werden.

Team2014

Einen Einschnitt für den Verlauf des Projektes bedeuteten jedoch zunächst die Ereignisse beim Auswärtsspiel in Osnabrück im September 2011, als im Stadion ein Sprengkörper aus den Reihen der Preußen-Fans geworfen wurde und bei 33 Menschen zum Teil sehr schwere Verletzungen verursachte. An einen geordneten Auf- und Ausbau des Projektes, was u.a. den Umbau unseres Gebäudes in unmittelbarer Stadionnähe zur Fan-Anlaufstelle mit der tatkräftigen Unterstützung aus der aktiven Fanszene vorsah, war zunächst nicht zu denken.

Dennoch ist es gelungen, bis Dezember 2011 zumindest den Veranstaltungsraum fertigzustellen und eine kleine inoffizielle Eröffnungsfeier mit den freiwilligen Helfern aus der aktiven Fanszene zu begehen. Im Frühjahr 2012 gelang der Abschluss der Umbauarbeiten und die offizielle Eröffnung der Fan-Anlaufstelle.

Inzwischen öffnen wir nicht nur regelmäßig an Heimspieltagen, sondern auch Montagnachmittags für Jugendliche sowie Mittwochabends für alle Interessierten aus der aktiven Fanszene. Darüber hinaus organisieren wir Vorträge und andere Abend-Veranstaltungen im Rahmen unserer neu benannten Reihe “Flutlicht” (“Lernort Stadion” wird künftig unser Kooperationsangebot für Schulen heißen). Am Donnerstagvormittag kann man uns gerne bei unserem offenen Beratungsangebot besuchen.

Netzwerk- und Gremienarbeit

Im Rahmen der so genannten NRW-Initiative wurde in Münster 2011 der Örtliche Ausschuss Sport und Sicherheit eingerichtet, in dem u.a. die Polizei, die Staatsanwaltschaft, das Ordnungsamt, das Jugendamt, der Stadtsportbund, die Feuerwehr, die Stadtwerke (ÖPNV), der Ordnerdienst sowie der Verein des SC Preußen Münster mit seinen Sicherheits- und Fanbeauftragten sowie mit seinem Geschäftsführer vertreten sind. Häufiger als der ÖASS tagen seine drei Arbeitskreise: Fandialog, Stadionsicherheit und Fanreiseverkehr. Der FANport übernahm dabei die Leitung des AK Fandialog. Da es nicht gelang, die Hauptzielgruppe des Projektes, die Ultras, in diesen Arbeitskreis regelmäßig einzubinden, stand im Januar 2014 die Umwidmung dieses Arbeitskreises zu einem Gremium der professionellen Fanarbeit an. In diesem Arbeitskreis tauschen sich die an Spieltagen zusammenarbeitenden Netzwerkpartner über Fragen und Vorkommnisse in der Fanarbeitspraxis aus, wozu nach wie vor alle Interessierten aus der SCP-Fanszene herzlich eingeladen sind.

Um das sozialpädagogische Fanprojekt mit Einrichtungen der Sozialen Arbeit in den die Anlaufstelle umgebenden Stadtteilen zu vernetzen, nimmt der FANport an entsprechenden Arbeitskreisen mit der Perspektive teil, punktuell mit benachbarten Institutionen wie Jugendeinrichtungen, Stadtteilzentren und Schulen zu kooperieren. Bereits seit Mitte 2012 sind wir in den wichtigsten Gremien der städtischen Jugendarbeit vertreten. Und über die Stadtgrenze hinaus arbeiten wir seit der Gründung des Projektes in den überregionalen Zusammenschlüssen der Fanprojektarbeit mit. Beispielsweise nehmen wir an der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) und an den regelmäßig stattfindenden Regionaltreffen der NRW-Fanprojekte teil, wo wir uns u.a. kollegial beraten. Darüber hinaus beteiligen wir uns an den Tagungen und Fortbildungen, die von den Fußballverbänden oder der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) organisiert werden. Mehr hierzu steht auf dieser Seite in der Rubrik “Termine”.

Derzeit bauen wir die U16-Arbeit unseres Projektes aus. Seit Februar 2014 verfügen wir über einen 9-Sitzer-Bulli, um vermehrt begleitete Auswärtsfahrten unter dem Motto “Ohne Rausch und Rauch geht’s auch!” anbieten zu können. Ebenso reizt es uns, freizeitpädagogische Gruppenangebote wie Bildungsfahrten zu historisch bedeutsamen Orten oder die Teilnahme an Fan-Fußballturnieren anzubieten. Dabei kommt uns sicher unser neuer Bolzplatz direkt am FANport entgegen, auf dem wir regelmäßig offene Kickangebote (“Flemmen am Preußen”) durchführen werden. Der Platz kann übrigens auch gerne z.B. in Verbindung mit unserem offenen Treff am Montag und Mittwoch selbstorganisiert genutzt werden. Auf Wunsch verleihen wir Bälle und Netze für die Tore.

Qualitätssiegel “Fanprojekt nach dem NKSS”

Im Frühjahr 2014 erhielt das sozialpädagogische Fanprojekt “FANport Münster” das Qualitätssiegel “Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit”. Diese Zertifizierung für Fanprojekte, die nach dem NKSS arbeiten, wird von der Koordinationsstelle Fanprojekte nach einem mehrmonatigen Qualitätssicherungsprozess vorgenommen und ist drei Jahre gültig. Wir hoffen, dass wir diesen Qualitätssicherungsprozess auch 2017 wieder erfolgreich durchlaufen können.

 

Fan-Anlaufstelle am Preußenstadion
Hammer Straße 302 · 48153 Münster
Homepage www.fanport-muenster.de
fb https://www.facebook.com/fanport.muenster
Twitter https://twitter.com/FANportMuenster

Edo Schmidt
Tel. 0151 – 61 33 89 40
E-Mail e.schmidt@outlaw-jugendhilfe.de

Yvonne Buschkühl
Tel. 0160 – 71 71 518
E-Mail buschkuehl@outlaw-jugendhilfe.de

Florian Meuer
Tel. 0160 – 90 82 79 34
E-Mail meuer@outlaw-jugendhilfe.de

25 Jahre Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte – Jubiläumsfeier und Fachtag in München

Vom 14.11. bis zum 15.11.2014 fand in München ein interner Fachtag der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) statt. Neben dem fachlichen Austausch von über 130 MitarbeiterInnen der Fanprojekte aus ganz Deutschland am Samstag, standen dabei am Abend die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der BAG im Mittelpunkt. „Der interne fachliche Austausch über die zukünftige Ausrichtung der BAG-Arbeit und ihrer Struktur war intensiv und nachhaltig. Daher werden wir einzelne Themenbereiche auf der kommenden Jahrestagung im März 2015 in Braunschweig fortsetzen“, so BAG-Sprecher Philip Krüger.

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Bereits am Freitagnachmittag waren alle Mitglieder des BAG Fanprojekte e.V. zur jährlichen Mitgliederversammlung im Wappensaal des Hofbräuhauses geladen. Im Mittelpunkt stand dabei die Neuwahl des BAG-Sprechers, da Thomas Beckmann nach vierjähriger Amtszeit seinen Rückzug angekündigt hatte. Mit großer Mehrheit wurde dabei Philip Krüger (Fanprojekt Paderborn) von der Versammlung gewählt und bildet künftig mit Matthias Stein (Fanprojekt Jena) das „Sprecherduo“ der BAG. „Im Namen aller Kolleginnen und Kollegen möchte ich Thomas Beckmann für seine geleistete Arbeit und seinem über dem Maße hohes Engagement in der strukturellen Entwicklung der BAG danken. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass wir mit Philip Krüger einen jungen Nachfolger gefunden haben, der diese Position schnell mit Leben und vor allem Inhalten füllen wird“, so Matthias Stein.

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Samstagvormittag begann für alle TeilnehmerInnen der interne Fachtag. In drei verschiedenen Workshops wurde eine Situationsanalyse der BAG-Arbeit vorgenommen, Thomas Beckmann stellte heraus: „Die sozialpädagogische Arbeit mit Fußballfans durch die Fanprojekte bewegt sich in einem schwierigen Netzwerk aus Fußballverbänden, Polizei, Medien und Politik. Gleichzeitig müssen die KollegInnen belastbare Beziehungen in die aktive Fanszene aufbauen und erhalten. Die rasanten Entwicklungen rund um den Fußball machten es notwendig, sich inhaltlich mit der zukünftigen Ausrichtung der Fanprojektarbeit und einer Interessenvertretung durch die BAG zu beschäftigen.“

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Oberstes Ziel der BAG bleibt es daher die Fanarbeit in Deutschland weiter zu professionalisieren, die MitarbeiterInnen an den verschiedenen Standorten zu stärken und den Fußballfans eine professionelle Fanarbeit anzubieten.
Wir danken den KollegInnen des Fanprojekts München für die tolle Vorbereitung und Durchführung der Tagung.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Philip Krüger/ Matthias Stein
BAG Sprecher

Rechte missbrauchen Demonstrationsrecht – das hat mit Fußball-Fankultur nichts zu tun

Mit großer Sorge hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte die Geschehnisse rund um die „HoGeSa“-Demo am vergangenen Sonntag in Köln wahrgenommen. Einmal mehr versuchen organisierte Rechte, den Fußball zu missbrauchen, um ihre Ideologie von Ausgrenzung und Hass in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Am vergangenen Sonntag fand rund um den Kölner Hauptbahnhof die bisher größte Zusammenkunft der Kampagne „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) statt. Inzwischen ist von 3000 bis 4000 Teilnehmern, oder sogar mehr die Rede.

An dieser Stelle macht die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) ganz deutlich: Die teilnehmenden Neonazis und rechten Hooligans missbrauchen die mediale Aufmerksamkeit rund um den Fußball, um Rassismus und Fremdenhass, getarnt unter dem Feindbild „gegen Salafisten“, in die Öffentlichkeit zu tragen, Ängste in der Bevölkerung zu schüren und so möglichst viele Unterstützer für ihre Ideologie zu sammeln. Dabei repräsentieren diese Personen nicht die deutsche Fankultur, wie sie aktuell in den Stadien vorzufinden ist. Gleichwohl beobachten die sozialpädagogischen Mitarbeiter in den über 50 Fanprojekten in den letzten Jahren ein konstantes Erstarken von rechten Hooligangruppen. “Das ist auch eine Konsequenz aus den Fehlern einiger Vereine im Umgang mit ihren Fanszenen sowie des polizeilichen Repressionsdrucks, der sich in erster Linie gegen Ultragruppierungen richtete, und dabei völlig außer Acht ließ, dass oft gerade diese Gruppen sich engagiert gegen Rassismus und Rechtsextremismus in den Kurven und für Toleranz und Antidiskriminierung eingesetzt haben”, so BAG-Sprecher Matthias Stein.

Die Fanprojekte erwarten den Erhalt von Freiräumen für eine emanzipierte Fankultur, die sich gegen Diskriminierung und für Toleranz einsetzt. Die Sprecher des BAG-Westverbundes, Ole Wolff und Ralf Zänger, stellen fest: „Das Erstarken von rechten Hooligan-Gruppen an verschiedenen Standorten, die gezielt vor allem antidiskriminierend eingestellte Ultra-Gruppen mit Gewalt aus den Stadien getrieben haben, war bereits ein deutliches Warnzeichen. Den aktuellen Höhepunkt stellen die offenbar gezielten Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und Polizei vom Wochenende dar.“

Wir fordern nun umso mehr alle friedlichen gesellschaftlichen Kräfte auf, engagiert gegen diese Entwicklung zusammen zu stehen. Das betrifft die Führungsetagen der Profivereine, DFL und DFB ebenso, wie die vielen Ultragruppen, die sich tagtäglich positiv für „ihre“ Fankultur einsetzen. Es wäre fatal, wenn antirassistisches und antifaschistisches Engagement zunehmend kriminalisiert würde.

Vor allem den verletzten Unbeteiligten und Polizeikräften wünschen wir an dieser Stelle gute Besserung und eine rasche Genesung.

i.A. Thomas Beckmann / Matthias Stein

BAG-Sprecher

Fanprojekt Paderborn mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet

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Das Fanprojekt Paderborn, seit 2012 in Trägerschaft des Caritasverbands Paderborn e.V., hat im Rahmen des Bundesligaspiels SC Paderborn 07 – Borussia Mönchengladbach, am 27.09.2014 das Qualitätssiegel für sozialpädagogische Fanprojekte überreicht bekommt. Der Beirat der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) und die AG Qualitätssicherung, unter Federführung von Prof. Dr. Gunter Pilz (Leibniz Universität Hannover) und Ingo Weiss (Vorsitzender Deutsche Sportjugend), hat dies auf seiner letzten Sitzung im Frühjahr 2014 beschlossen. In der Stellungnahme dazu heißt es:

„Die Situation um das Fanprojekt Paderborn zeichnet sich durch eine hohe Akzeptanz der Arbeit bei allen relevanten Institutionen und eine ebenso hohe Qualität der Vernetzung in allen wichtigen Bereichen aus. Entscheidend war, dass die Gründung des Fanprojekts 2012 nicht unter dem Druck gewalttätiger Vorkommnisse stand und dass das Fanprojekt dementsprechend seine Jugendarbeit unbeeinflusst entfalten konnte. Besonders hervorzuheben war und ist von Anfang an die Unterstützung des Vereins als auch der Polizei bei der Einrichtung des Fanprojektes. Vor dem Hintergrund dieses großen Verständnisses für die Notwendigkeit der sozialpädagogischen Arbeit mit jugendlichen Fußballfans war es dem Fanprojekt von Anfang an möglich, einen stabilen pädagogischen Ansatz zu entwickeln.

Bemerkenswert ist, dass sich das Fanprojekt Paderborn mit hoher Sensibilität und Aufmerksamkeit den wichtigen Themen Inklusion und Integration widmet. So werden Auswärtsfahrten mit Personen mit Behinderungen oder Flüchtlingen geplant, ohne die jeweiligen Gruppen als “besonders” zu kennzeichnen. Darüber hinaus wurde aufgrund der erhöhten Förderung des Fußballs zusätzlich eine dritte Personalstelle eingerichtet.“

Der Landrat des Kreises Paderborn, Manfred Müller, ergänzt dazu: „In den 2 Jahren seines Bestehens hat das Fanprojekt Paderborn beträchtliche Aufmerksamkeit hervorgerufen. Deutlich wird dieses durch die Überreichung des „Qualitätssiegels für sozialpädagogische Fanprojekte“ vor dem Spiel unseres SCP gegen Borussia Mönchengladbach, wozu ich herzlich gratuliere. Noch wichtiger als die öffentliche Würdigung erscheint mir, als Landrat des Kreises Paderborn, dass das Fanprojekt nicht nur die in der Begründung erwähnte hohe Akzeptanz bei allen „relevanten Institutionen“ gefunden hat, sondern auch bei den direkt betroffenen, jugendlichen Fans „angekommen“ ist“.

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Die Übergabe wurde, stellvertretend für den KOS-Beirat, von Bülent Aksen (DFB) und Thomas Schneider (DFL) vornehmen. Als Gäste konnten unter anderem Manfred Walhorn vom Jugend-Ministerium in Düsseldorf, Klaus-Heinrich Dreyer vom Landesjugendamt, Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Michael Dreier begrüßt werden.

BAG-Fanprojekte zur “NRW-Polizeistrategie” – Fanprojekte begrüßen positives Fazit von NRW – Innenminister Jäger und ermutigen zur Ausweitung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) plädiert für eine Fortsetzung der Pilotphase der nordrhein-westfälischen Polizeistrategie, welche die lageangepasste Reduzierung von Polizeikräften bei Fußballspielen vorsieht. Die Bewertung dieser Pilotphase nach bisher zwei Monaten fällt weitgehend positiv aus. Seit dem Beginn des Spielbetriebs, in der 3. Liga schon ab Ende Juli, haben sich die Konflikte auf den An- und Abreisewegen in der überragenden Mehrzahl der Spiele deutlich vermindert. Dieses gilt für alle Spiele der oberen vier Ligen. Diesen Trend gilt es fortzuführen.
Sicherlich sollte niemand glauben, dass Fußballspiele gänzlich ohne Konflikte ablaufen, gerade bei Derbys reagieren Fans besonders sensibel auf Provokationen, wie z.B. jüngst beim Spiel Köln –M´gladbach. Solche Szenerien sind dennoch die Ausnahmen im wöchentlichen Ligabetrieb und sollten keinesfalls dazu führen, den grundsätzlich unterstützenswerten Ansatz der neuen Polizeistrategie für gänzlich ungeeignet zu halten. Eine Fortführung der Strategie bis zum Ende der Hinrunde würde die BAG deshalb für richtig halten, und ermutigt den Innenminister Jäger ausdrücklich zu diesem Schritt. Damit könnten noch belastbarere Zahlen und Fakten ermittelt werden, die letztlich eine qualifizierte Auswertung dieses Pilotprojektes erst ermöglichen. Matthias Stein, Sprecher der BAG: „Das Pilotprojekt von NRW entspricht den Intentionen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte und das präsentierte Fazit deckt sich mit unseren Erwartungen. Die BAG hofft, dass sich andere Bundesländer vom Beispiel NRW überzeugen und ermutigen lassen, eigene Schritte in diese Richtung unternehmen.“

Matthias Stein
BAG Sprecher

Fanprojekte aus NRW auf Einladung von Martin Schulz im EU Parlament

Vertreter der Fanprojekte aus Nordrhein-Westfalen, sowie der Fanbetreuung des VfL Bochum 1848 folgten am 19.11.13 der Einladung von Martin Schulz nach Strasbourg um dem Präsidenten des EU Parlamentes die Arbeit der Fanprojekte vorzustellen und mit ihm im Anschluss über die Möglichkeiten sozialpädagogischer Arbeit mit Fußballfans zu diskutieren. Insbesondere die Vielschichtigkeit der Arbeitsschwerpunkte stand bei dem ausgiebigen Austausch im Mittelpunkt. Die starke emotionale Anbindung der Fans an die Fußballvereine stellt hierbei nach Ansicht aller Beteiligter eine Ressource dar, die neben den sportlichen Aspekten enorme gesellschaftliche Potenziale bietet. Damit es sich bei diesem Besuch nicht um eine einmalige Veranstaltung handelt, wurden des Weiteren die Möglichkeiten präventiver, interkultureller Angebote erörtert, da der kontinuierliche und nachhaltige Austausch von allen involvierten Personen angestrebt wird.

Am zweiten Tag nahm die Delegation zunächst am Sacharow Seminar teil, bei der die Preisträgerin des diesjährigen Sacharow Preises für geistige Freiheit, Malala Yousafzai, über ihren Kampf für Bildung junger Frauen in Pakistan referierte. Auch bei der anschließenden Preisverleihung des Sacharow Preises im Plenarsaal des EU Parlaments waren die Pädagogen zugegen, was gleichzeitig den beeindruckenden Abschluss der Reise darstellte.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Ralf Zänger
Sprecher der BAG West

Linienbus für Vielfalt und gegen Diskriminierung und Gewalt in Bochum

Am Mittwoch, den 27.11.2013, wurde am rewirpowerSTADION der neue Linienbus präsentiert, der für Vielfalt und gegen Gewalt und Diskriminierung wirbt. Hierbei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt des Fanprojektes Bochum, dem VfL Bochum 1848, der Polizei Bochum sowie der BoGeStra, um ein gemeinsames, öffentliches Zeichen für Vielfalt zu setzen. Innerhalb des vergangenen Jahres entwickelte eine Arbeitsgruppe, in der alle beteiligten Institutionen involviert waren, ein Konzept für ein entsprechendes Branding eines Linienbusses. Schnell kristallisierten sich hierbei die entscheiden Themen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit heraus. In das Design, ist eine gemeinsam mit VfL Fans entwickelte Choreografie, welche das Lied “wir sind die Fans vom VfL” der Gruppe Hartmann mit den Worten “auch die Farbe deiner Haut interessiert uns nicht” zitiert, mit eingeflossen. Umso glücklicher zeigten sich alle Beteiligte, als sie das Ergebnis der monatelangen Arbeit live in Augenschein nehmen konnten. Der Bus wird ab sofort im normalen Linienbetrieb der BoGeStra in Bochum und den angrenzenden Städten verkehren. Das Fanprojekt Bochum dankt allen Partnern die dieses deutschlandweit einmalige Projekt ermöglicht haben, für ihre gelebte Kooperation.

Benjamin Bödecker
Dip.Soz.Arb./Dipl.Soz.Päd.
Fanprojekt Bochum
fon.023495542913
fax.023495542929
mobil.01741751564
www.fanprojekt-bochum.de

BAG Fanprojekte zu neuen Stadionverbotsrichtlinien: Mehr Transparenz und Präzision statt Verschärfung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte reagiert erstaunt auf die Meldung von Spiegel Online, in der der die im Januar 2014 in Kraft tretenden neuen Stadionverbotsrichtlinien des Deutschen Fußball-Bundes einseitig als „Verschärfung“ dargestellt werden. Aus Sicht der BAG, die in der federführenden AG Stadionverbote der DFB-Kommission „Sicherheit, Prävention und Fußballkultur“ mitgewirkt hat, handelt es sich bei den Neuerungen auch um erhebliche Präzisierungen und begrüßenswerte Verbesserungen der Richtlinien im Sinne der betroffenen Fans.

Die Meldung zu den Neuerungen der Stadionverbotsrichtlinien nimmt insbesondere die Ausweitung der Stadionverbotsdauer auf fünf Jahre in den Blick – leider ohne auch deren genaue Bedingungen darzustellen. Tatsächlich ist, nicht zuletzt unter erheblichem öffentlichem Druck, eine vierte Kategorie eingeführt worden, die ein Stadionverbot von bis zu 60 Monaten vorsieht. „Weitgehend untergegangen ist jedoch leider, dass dies ausschließlich für Personen vorgesehen ist, gegen die ein laufendes Stadionverbot vorliegt und die dennoch erneut auffällig werden“, sagt Volker Körenzig, Vertreter der BAG Fanprojekte. „Das ist eine wichtige Präzisierung.“ Zumal der Begriff des Wiederholungstäters, der in diesem Zusammenhang genannt wird, in den neuen Richtlinien anders gefasst ist: Als „Wiederholungstäter“ gilt nicht mehr, wer in der Vergangenheit ein – inzwischen abgelaufenes – Stadionverbot hatte, sondern, wer sich während eines geltenden Stadionverbots erneut etwas zuschulden kommen lässt. „Das ist eine Neuerung im Sinne des von Fanprojektseite, aber auch von den Fanorganisationen immer wieder geforderten Bewährungsgedankens und auch des Datenschutzes“, sagt Volker Körenzig. Ebenso ist es der AG gelungen, mehr Transparenz gegenüber den Fans zu ermöglichen und dem Eindruck entgegenzuwirken, dass Stadionverbote in Zukunft willkürlich ausgesprochen werden können.

Mehr Einzelfallgerechtigkeit
Aus Sicht der Fanprojekte sind neben dieser Verbesserung noch weitere zu nennen. Etwa die nun enthaltene Empfehlung, vor Aussprache des Stadionverbots eine Stellungnahme des Betroffenen einzuholen. Ebenso die stärkere Berücksichtigung der Umstände – dazu gehören etwa Alter des Betroffenen und die vorhandene Einsicht. Bei Minderjährigen sind die Eltern einzubeziehen. Des Weiteren sind durch die möglichen pädagogischen Alternativen hinsichtlich Aussetzung, Reduzierung und Aufhebung eines Stadionverbotes weitere positive Veränderungen erreicht worden. Bei Einwilligung des Betroffenen sollen vor Aussprache des Stadionverbots zudem Informationen bei Fanprojekt, Fan- oder Sicherheitsbeauftragtem eingeholt werden. „Eine stärkere Einzelfallprüfung und Einbeziehung des Bezugsvereins gehören seit Langem zu den zentralen Forderungen, auch von Fanseite“, so Volker Körenzig. „Wir denken, dass hier entscheidende Verbesserungen erzielt worden sind.“ Die Stadionverbotsbeauftragte der Vereine sind nun aufgefordert, diese positiven Neuerungen auch optimal im Sinne der betroffenen Fans anzuwenden.

Stadionverbote sind ein sensibles Thema, bei Fans, Verbänden und Vereinen, aber auch in der öffentlichen Diskussion über Fußball und Sicherheit. Allzu leicht kommt es hier zu lauten Rufen nach immer mehr und immer längeren Verboten auf der einen Seite, während auf der anderen der Eindruck entsteht, es werde immer härter sanktioniert und von Stadionverboten betroffene Personen in der Szene mitunter den Rang von Märtyrern erhalten. Gerade deswegen ist eine differenzierte Berichterstattung nötig, die sich auch die Mühe macht, die einzelnen Bestimmungen zu studieren, statt vorschnell auf eine schlagzeilenträchtige, aber einseitige Darstellung zu setzen.

Die BAG hat eine Übersicht zu den – positiven – Neuerungen der am 1. Januar 2014 in Kraft tretenden Stadionverbotsrichtlinien zusammengestellt.
Für Erläuterungen und Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Für die BAG der Fanprojekte
Volker Körenzig
Sprecher BAG Süd
E-Mail: volker.koerenzig@bag-fanprojekte.de
Telefon: 0171 3105420

„Polemik tötet den Dialog“. 20. Jahrestagung der sozialpädagogischen Fanprojekte

Vom 3. bis 5. September fand in Leipzig die 20. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) statt. Über einhundert MitarbeiterInnen aus allen bundesweit 51 sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekten trafen sich in der sächsischen Metropole zum alljährlichen Fachaustausch. „Die BAG konnte hierbei auf die hervorragende Kooperation mit ihrem Regionalverbund Ost sowie insbesondere mit dem Fanprojekt Leipzig und dessen Träger Outlaw gGmbh zurückgreifen“, so BAG-Sprecher Thomas Beckmann.

Aus aktuellem Anlass diskutierten die Fanprojekt-MitarbeiterInnen die Haltung der deutschen Polizeigewerkschaften zu der Kritik an Polizeieinsätzen im Fußballumfeld. Die BAG hält es für notwendig, dass die Polizei eine neue Kultur der Kommunikation und Selbstreflexion entwickelt. „Pauschale und polemische Verurteilungen von Fußballfans entsprechen nicht dem Geist des Dialogs, wie er im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit verankert ist“, sagt BAG-Sprecher Matthias Stein. Dass nun erste Fanorganisationen (HSV-Supporters Club, ProFans, Unsere Kurve) öffentlich die Gesprächsbereitschaft mit dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, aufgekündigt haben, ist ein deutliches Zeichen.

Das Programm der Tagung stand im Zeichen der sich weiter entwickelnden Fußball- und Fankultur und den daraus erwachsenden Anforderungen an professionelle Fansozialarbeit. Am Anfang standen die Ausführungen von Prof. Dr. Albert Scherr von der Pädagogischen Hochschule Freiburg zur „Fanprojekt-Arbeit im Räderwerk der Systeme“. Er unterzog die derzeitige Situation der Fansozialarbeit innerhalb der Fußballinstitutionen einer kritischen Bestandsaufnahme.

Die Workshops griffen Themen auf, mit denen sich die Fanprojekt-MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag vordringlich befassen: Rassismus und Suchtproblematiken, aber auch die Erhaltung von Freiräumen für kreative Fankultur sowie der Umgang mit neuen Medien gewinnen an Bedeutung. Angesichts eines stetig wachsenden Arbeitsauftrages wurden auch die strukturellen wie formalen Arbeitsbedingungen der Fanprojekte in den Fokus genommen.

Am Schlusstag wurden die beiden Sprecher der BAG, Thomas Beckmann (Fanprojekt Mainz) und Matthias Stein (Fanprojekt Jena), einstimmig wiedergewählt. Die BAG wird auch in Zukunft daran arbeiten, die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten und der Fankultur eine professionelle Sozialarbeit an die Seite zu stellen.

i.A. Thomas Beckmann und Matthias Stein, Sprecher der BAG