Rechte missbrauchen Demonstrationsrecht – das hat mit Fußball-Fankultur nichts zu tun

Mit großer Sorge hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte die Geschehnisse rund um die „HoGeSa“-Demo am vergangenen Sonntag in Köln wahrgenommen. Einmal mehr versuchen organisierte Rechte, den Fußball zu missbrauchen, um ihre Ideologie von Ausgrenzung und Hass in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Am vergangenen Sonntag fand rund um den Kölner Hauptbahnhof die bisher größte Zusammenkunft der Kampagne „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) statt. Inzwischen ist von 3000 bis 4000 Teilnehmern, oder sogar mehr die Rede.

An dieser Stelle macht die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) ganz deutlich: Die teilnehmenden Neonazis und rechten Hooligans missbrauchen die mediale Aufmerksamkeit rund um den Fußball, um Rassismus und Fremdenhass, getarnt unter dem Feindbild „gegen Salafisten“, in die Öffentlichkeit zu tragen, Ängste in der Bevölkerung zu schüren und so möglichst viele Unterstützer für ihre Ideologie zu sammeln. Dabei repräsentieren diese Personen nicht die deutsche Fankultur, wie sie aktuell in den Stadien vorzufinden ist. Gleichwohl beobachten die sozialpädagogischen Mitarbeiter in den über 50 Fanprojekten in den letzten Jahren ein konstantes Erstarken von rechten Hooligangruppen. “Das ist auch eine Konsequenz aus den Fehlern einiger Vereine im Umgang mit ihren Fanszenen sowie des polizeilichen Repressionsdrucks, der sich in erster Linie gegen Ultragruppierungen richtete, und dabei völlig außer Acht ließ, dass oft gerade diese Gruppen sich engagiert gegen Rassismus und Rechtsextremismus in den Kurven und für Toleranz und Antidiskriminierung eingesetzt haben”, so BAG-Sprecher Matthias Stein.

Die Fanprojekte erwarten den Erhalt von Freiräumen für eine emanzipierte Fankultur, die sich gegen Diskriminierung und für Toleranz einsetzt. Die Sprecher des BAG-Westverbundes, Ole Wolff und Ralf Zänger, stellen fest: „Das Erstarken von rechten Hooligan-Gruppen an verschiedenen Standorten, die gezielt vor allem antidiskriminierend eingestellte Ultra-Gruppen mit Gewalt aus den Stadien getrieben haben, war bereits ein deutliches Warnzeichen. Den aktuellen Höhepunkt stellen die offenbar gezielten Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und Polizei vom Wochenende dar.“

Wir fordern nun umso mehr alle friedlichen gesellschaftlichen Kräfte auf, engagiert gegen diese Entwicklung zusammen zu stehen. Das betrifft die Führungsetagen der Profivereine, DFL und DFB ebenso, wie die vielen Ultragruppen, die sich tagtäglich positiv für „ihre“ Fankultur einsetzen. Es wäre fatal, wenn antirassistisches und antifaschistisches Engagement zunehmend kriminalisiert würde.

Vor allem den verletzten Unbeteiligten und Polizeikräften wünschen wir an dieser Stelle gute Besserung und eine rasche Genesung.

i.A. Thomas Beckmann / Matthias Stein

BAG-Sprecher

Fanprojekt Paderborn mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet

2014_09_27 Bulent-Philip-Thomas

Das Fanprojekt Paderborn, seit 2012 in Trägerschaft des Caritasverbands Paderborn e.V., hat im Rahmen des Bundesligaspiels SC Paderborn 07 – Borussia Mönchengladbach, am 27.09.2014 das Qualitätssiegel für sozialpädagogische Fanprojekte überreicht bekommt. Der Beirat der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) und die AG Qualitätssicherung, unter Federführung von Prof. Dr. Gunter Pilz (Leibniz Universität Hannover) und Ingo Weiss (Vorsitzender Deutsche Sportjugend), hat dies auf seiner letzten Sitzung im Frühjahr 2014 beschlossen. In der Stellungnahme dazu heißt es:

„Die Situation um das Fanprojekt Paderborn zeichnet sich durch eine hohe Akzeptanz der Arbeit bei allen relevanten Institutionen und eine ebenso hohe Qualität der Vernetzung in allen wichtigen Bereichen aus. Entscheidend war, dass die Gründung des Fanprojekts 2012 nicht unter dem Druck gewalttätiger Vorkommnisse stand und dass das Fanprojekt dementsprechend seine Jugendarbeit unbeeinflusst entfalten konnte. Besonders hervorzuheben war und ist von Anfang an die Unterstützung des Vereins als auch der Polizei bei der Einrichtung des Fanprojektes. Vor dem Hintergrund dieses großen Verständnisses für die Notwendigkeit der sozialpädagogischen Arbeit mit jugendlichen Fußballfans war es dem Fanprojekt von Anfang an möglich, einen stabilen pädagogischen Ansatz zu entwickeln.

Bemerkenswert ist, dass sich das Fanprojekt Paderborn mit hoher Sensibilität und Aufmerksamkeit den wichtigen Themen Inklusion und Integration widmet. So werden Auswärtsfahrten mit Personen mit Behinderungen oder Flüchtlingen geplant, ohne die jeweiligen Gruppen als “besonders” zu kennzeichnen. Darüber hinaus wurde aufgrund der erhöhten Förderung des Fußballs zusätzlich eine dritte Personalstelle eingerichtet.“

Der Landrat des Kreises Paderborn, Manfred Müller, ergänzt dazu: „In den 2 Jahren seines Bestehens hat das Fanprojekt Paderborn beträchtliche Aufmerksamkeit hervorgerufen. Deutlich wird dieses durch die Überreichung des „Qualitätssiegels für sozialpädagogische Fanprojekte“ vor dem Spiel unseres SCP gegen Borussia Mönchengladbach, wozu ich herzlich gratuliere. Noch wichtiger als die öffentliche Würdigung erscheint mir, als Landrat des Kreises Paderborn, dass das Fanprojekt nicht nur die in der Begründung erwähnte hohe Akzeptanz bei allen „relevanten Institutionen“ gefunden hat, sondern auch bei den direkt betroffenen, jugendlichen Fans „angekommen“ ist“.

2014_09_27 Gruppe

Die Übergabe wurde, stellvertretend für den KOS-Beirat, von Bülent Aksen (DFB) und Thomas Schneider (DFL) vornehmen. Als Gäste konnten unter anderem Manfred Walhorn vom Jugend-Ministerium in Düsseldorf, Klaus-Heinrich Dreyer vom Landesjugendamt, Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Michael Dreier begrüßt werden.

BAG-Fanprojekte zur “NRW-Polizeistrategie” – Fanprojekte begrüßen positives Fazit von NRW – Innenminister Jäger und ermutigen zur Ausweitung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) plädiert für eine Fortsetzung der Pilotphase der nordrhein-westfälischen Polizeistrategie, welche die lageangepasste Reduzierung von Polizeikräften bei Fußballspielen vorsieht. Die Bewertung dieser Pilotphase nach bisher zwei Monaten fällt weitgehend positiv aus. Seit dem Beginn des Spielbetriebs, in der 3. Liga schon ab Ende Juli, haben sich die Konflikte auf den An- und Abreisewegen in der überragenden Mehrzahl der Spiele deutlich vermindert. Dieses gilt für alle Spiele der oberen vier Ligen. Diesen Trend gilt es fortzuführen.
Sicherlich sollte niemand glauben, dass Fußballspiele gänzlich ohne Konflikte ablaufen, gerade bei Derbys reagieren Fans besonders sensibel auf Provokationen, wie z.B. jüngst beim Spiel Köln –M´gladbach. Solche Szenerien sind dennoch die Ausnahmen im wöchentlichen Ligabetrieb und sollten keinesfalls dazu führen, den grundsätzlich unterstützenswerten Ansatz der neuen Polizeistrategie für gänzlich ungeeignet zu halten. Eine Fortführung der Strategie bis zum Ende der Hinrunde würde die BAG deshalb für richtig halten, und ermutigt den Innenminister Jäger ausdrücklich zu diesem Schritt. Damit könnten noch belastbarere Zahlen und Fakten ermittelt werden, die letztlich eine qualifizierte Auswertung dieses Pilotprojektes erst ermöglichen. Matthias Stein, Sprecher der BAG: „Das Pilotprojekt von NRW entspricht den Intentionen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte und das präsentierte Fazit deckt sich mit unseren Erwartungen. Die BAG hofft, dass sich andere Bundesländer vom Beispiel NRW überzeugen und ermutigen lassen, eigene Schritte in diese Richtung unternehmen.“

Matthias Stein
BAG Sprecher

Fanprojekte aus NRW auf Einladung von Martin Schulz im EU Parlament

Vertreter der Fanprojekte aus Nordrhein-Westfalen, sowie der Fanbetreuung des VfL Bochum 1848 folgten am 19.11.13 der Einladung von Martin Schulz nach Strasbourg um dem Präsidenten des EU Parlamentes die Arbeit der Fanprojekte vorzustellen und mit ihm im Anschluss über die Möglichkeiten sozialpädagogischer Arbeit mit Fußballfans zu diskutieren. Insbesondere die Vielschichtigkeit der Arbeitsschwerpunkte stand bei dem ausgiebigen Austausch im Mittelpunkt. Die starke emotionale Anbindung der Fans an die Fußballvereine stellt hierbei nach Ansicht aller Beteiligter eine Ressource dar, die neben den sportlichen Aspekten enorme gesellschaftliche Potenziale bietet. Damit es sich bei diesem Besuch nicht um eine einmalige Veranstaltung handelt, wurden des Weiteren die Möglichkeiten präventiver, interkultureller Angebote erörtert, da der kontinuierliche und nachhaltige Austausch von allen involvierten Personen angestrebt wird.

Am zweiten Tag nahm die Delegation zunächst am Sacharow Seminar teil, bei der die Preisträgerin des diesjährigen Sacharow Preises für geistige Freiheit, Malala Yousafzai, über ihren Kampf für Bildung junger Frauen in Pakistan referierte. Auch bei der anschließenden Preisverleihung des Sacharow Preises im Plenarsaal des EU Parlaments waren die Pädagogen zugegen, was gleichzeitig den beeindruckenden Abschluss der Reise darstellte.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Ralf Zänger
Sprecher der BAG West

Linienbus für Vielfalt und gegen Diskriminierung und Gewalt in Bochum

Am Mittwoch, den 27.11.2013, wurde am rewirpowerSTADION der neue Linienbus präsentiert, der für Vielfalt und gegen Gewalt und Diskriminierung wirbt. Hierbei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt des Fanprojektes Bochum, dem VfL Bochum 1848, der Polizei Bochum sowie der BoGeStra, um ein gemeinsames, öffentliches Zeichen für Vielfalt zu setzen. Innerhalb des vergangenen Jahres entwickelte eine Arbeitsgruppe, in der alle beteiligten Institutionen involviert waren, ein Konzept für ein entsprechendes Branding eines Linienbusses. Schnell kristallisierten sich hierbei die entscheiden Themen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit heraus. In das Design, ist eine gemeinsam mit VfL Fans entwickelte Choreografie, welche das Lied “wir sind die Fans vom VfL” der Gruppe Hartmann mit den Worten “auch die Farbe deiner Haut interessiert uns nicht” zitiert, mit eingeflossen. Umso glücklicher zeigten sich alle Beteiligte, als sie das Ergebnis der monatelangen Arbeit live in Augenschein nehmen konnten. Der Bus wird ab sofort im normalen Linienbetrieb der BoGeStra in Bochum und den angrenzenden Städten verkehren. Das Fanprojekt Bochum dankt allen Partnern die dieses deutschlandweit einmalige Projekt ermöglicht haben, für ihre gelebte Kooperation.

Benjamin Bödecker
Dip.Soz.Arb./Dipl.Soz.Päd.
Fanprojekt Bochum
fon.023495542913
fax.023495542929
mobil.01741751564
www.fanprojekt-bochum.de

BAG Fanprojekte zu neuen Stadionverbotsrichtlinien: Mehr Transparenz und Präzision statt Verschärfung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte reagiert erstaunt auf die Meldung von Spiegel Online, in der der die im Januar 2014 in Kraft tretenden neuen Stadionverbotsrichtlinien des Deutschen Fußball-Bundes einseitig als „Verschärfung“ dargestellt werden. Aus Sicht der BAG, die in der federführenden AG Stadionverbote der DFB-Kommission „Sicherheit, Prävention und Fußballkultur“ mitgewirkt hat, handelt es sich bei den Neuerungen auch um erhebliche Präzisierungen und begrüßenswerte Verbesserungen der Richtlinien im Sinne der betroffenen Fans.

Die Meldung zu den Neuerungen der Stadionverbotsrichtlinien nimmt insbesondere die Ausweitung der Stadionverbotsdauer auf fünf Jahre in den Blick – leider ohne auch deren genaue Bedingungen darzustellen. Tatsächlich ist, nicht zuletzt unter erheblichem öffentlichem Druck, eine vierte Kategorie eingeführt worden, die ein Stadionverbot von bis zu 60 Monaten vorsieht. „Weitgehend untergegangen ist jedoch leider, dass dies ausschließlich für Personen vorgesehen ist, gegen die ein laufendes Stadionverbot vorliegt und die dennoch erneut auffällig werden“, sagt Volker Körenzig, Vertreter der BAG Fanprojekte. „Das ist eine wichtige Präzisierung.“ Zumal der Begriff des Wiederholungstäters, der in diesem Zusammenhang genannt wird, in den neuen Richtlinien anders gefasst ist: Als „Wiederholungstäter“ gilt nicht mehr, wer in der Vergangenheit ein – inzwischen abgelaufenes – Stadionverbot hatte, sondern, wer sich während eines geltenden Stadionverbots erneut etwas zuschulden kommen lässt. „Das ist eine Neuerung im Sinne des von Fanprojektseite, aber auch von den Fanorganisationen immer wieder geforderten Bewährungsgedankens und auch des Datenschutzes“, sagt Volker Körenzig. Ebenso ist es der AG gelungen, mehr Transparenz gegenüber den Fans zu ermöglichen und dem Eindruck entgegenzuwirken, dass Stadionverbote in Zukunft willkürlich ausgesprochen werden können.

Mehr Einzelfallgerechtigkeit
Aus Sicht der Fanprojekte sind neben dieser Verbesserung noch weitere zu nennen. Etwa die nun enthaltene Empfehlung, vor Aussprache des Stadionverbots eine Stellungnahme des Betroffenen einzuholen. Ebenso die stärkere Berücksichtigung der Umstände – dazu gehören etwa Alter des Betroffenen und die vorhandene Einsicht. Bei Minderjährigen sind die Eltern einzubeziehen. Des Weiteren sind durch die möglichen pädagogischen Alternativen hinsichtlich Aussetzung, Reduzierung und Aufhebung eines Stadionverbotes weitere positive Veränderungen erreicht worden. Bei Einwilligung des Betroffenen sollen vor Aussprache des Stadionverbots zudem Informationen bei Fanprojekt, Fan- oder Sicherheitsbeauftragtem eingeholt werden. „Eine stärkere Einzelfallprüfung und Einbeziehung des Bezugsvereins gehören seit Langem zu den zentralen Forderungen, auch von Fanseite“, so Volker Körenzig. „Wir denken, dass hier entscheidende Verbesserungen erzielt worden sind.“ Die Stadionverbotsbeauftragte der Vereine sind nun aufgefordert, diese positiven Neuerungen auch optimal im Sinne der betroffenen Fans anzuwenden.

Stadionverbote sind ein sensibles Thema, bei Fans, Verbänden und Vereinen, aber auch in der öffentlichen Diskussion über Fußball und Sicherheit. Allzu leicht kommt es hier zu lauten Rufen nach immer mehr und immer längeren Verboten auf der einen Seite, während auf der anderen der Eindruck entsteht, es werde immer härter sanktioniert und von Stadionverboten betroffene Personen in der Szene mitunter den Rang von Märtyrern erhalten. Gerade deswegen ist eine differenzierte Berichterstattung nötig, die sich auch die Mühe macht, die einzelnen Bestimmungen zu studieren, statt vorschnell auf eine schlagzeilenträchtige, aber einseitige Darstellung zu setzen.

Die BAG hat eine Übersicht zu den – positiven – Neuerungen der am 1. Januar 2014 in Kraft tretenden Stadionverbotsrichtlinien zusammengestellt.
Für Erläuterungen und Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Für die BAG der Fanprojekte
Volker Körenzig
Sprecher BAG Süd
E-Mail: volker.koerenzig@bag-fanprojekte.de
Telefon: 0171 3105420

„Polemik tötet den Dialog“. 20. Jahrestagung der sozialpädagogischen Fanprojekte

Vom 3. bis 5. September fand in Leipzig die 20. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) statt. Über einhundert MitarbeiterInnen aus allen bundesweit 51 sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekten trafen sich in der sächsischen Metropole zum alljährlichen Fachaustausch. „Die BAG konnte hierbei auf die hervorragende Kooperation mit ihrem Regionalverbund Ost sowie insbesondere mit dem Fanprojekt Leipzig und dessen Träger Outlaw gGmbh zurückgreifen“, so BAG-Sprecher Thomas Beckmann.

Aus aktuellem Anlass diskutierten die Fanprojekt-MitarbeiterInnen die Haltung der deutschen Polizeigewerkschaften zu der Kritik an Polizeieinsätzen im Fußballumfeld. Die BAG hält es für notwendig, dass die Polizei eine neue Kultur der Kommunikation und Selbstreflexion entwickelt. „Pauschale und polemische Verurteilungen von Fußballfans entsprechen nicht dem Geist des Dialogs, wie er im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit verankert ist“, sagt BAG-Sprecher Matthias Stein. Dass nun erste Fanorganisationen (HSV-Supporters Club, ProFans, Unsere Kurve) öffentlich die Gesprächsbereitschaft mit dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, aufgekündigt haben, ist ein deutliches Zeichen.

Das Programm der Tagung stand im Zeichen der sich weiter entwickelnden Fußball- und Fankultur und den daraus erwachsenden Anforderungen an professionelle Fansozialarbeit. Am Anfang standen die Ausführungen von Prof. Dr. Albert Scherr von der Pädagogischen Hochschule Freiburg zur „Fanprojekt-Arbeit im Räderwerk der Systeme“. Er unterzog die derzeitige Situation der Fansozialarbeit innerhalb der Fußballinstitutionen einer kritischen Bestandsaufnahme.

Die Workshops griffen Themen auf, mit denen sich die Fanprojekt-MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag vordringlich befassen: Rassismus und Suchtproblematiken, aber auch die Erhaltung von Freiräumen für kreative Fankultur sowie der Umgang mit neuen Medien gewinnen an Bedeutung. Angesichts eines stetig wachsenden Arbeitsauftrages wurden auch die strukturellen wie formalen Arbeitsbedingungen der Fanprojekte in den Fokus genommen.

Am Schlusstag wurden die beiden Sprecher der BAG, Thomas Beckmann (Fanprojekt Mainz) und Matthias Stein (Fanprojekt Jena), einstimmig wiedergewählt. Die BAG wird auch in Zukunft daran arbeiten, die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten und der Fankultur eine professionelle Sozialarbeit an die Seite zu stellen.

i.A. Thomas Beckmann und Matthias Stein, Sprecher der BAG

BAG verurteilt unnötige Eskalation

Letzte Woche stand die Fußballkultur wieder im öffentlichen Fokus. Beim Europapokalspiel Schalke 04 – PAOK Saloniki gab es einen massiven Polizeieinsatz, der einige Verletzte forderte, darunter sogar in einem Fall lebensgefährlich.

Hintergrund dieses Einsatzes war eine Nationalflagge Mazedoniens, welche beim griechischen Anhang nach Einschätzung der Polizei zu schwersten Ausschreitungen hätte führen können. Der Polizei Gelsenkirchen wurde durch die PAOK Saloniki Fans und durch die griechische Polizei die Empfehlung gegeben diese Flagge zu entfernen, sonst würden Platzsturm und Spielabbruch sowie Verletzte drohen.

Für die BAG der Fanprojekte ist es in keinster Weise nachvollziehbar, welche kausalen Zusammenhänge die vor Ort agierenden Sicherheitskräfte zu solch drastischen Maßnahmen bewogen haben mögen, dass man die Verletzung von Ordnungskräften sowie von Unbeteiligten, darunter auch Rettungskräfte und mehrere Kinder, billigend in Kauf nimmt. Nach zahlreichen Augenzeugenberichten war die von den Einsatzkräften gewählte Maßnahme nicht im Ansatz verhältnismäßig und ist deshalb auf das Schärfste zu verurteilen. Die daraufhin von den Polizeiverantwortlichen veröffentlichten Presseerklärungen, welche nicht mal im Ansatz auf die durch diesen Einsatz verletzten Personen eingeht, grenzt an Ignoranz und Respektlosigkeit vor den Betroffenen und deutet zudem auf Unwillen oder gar Unfähigkeit zur Selbstkritik hin.

Im diesem Zusammenhang muss festgestellt werden, dass sich in NRW, aber nicht nur dort, die Polizeieinsätze gegen Fans bzw. Fanszenen in einem augenfälligen Ausmaß verschärfen.
Auch die Maßnahmen gegen vermeintlich kriminelle Fußballfans werden zunehmend drastischer, Hausdurchsuchungen scheinen mittlerweile zum üblichen Repertoire der Gefahrenabwehr zu gehören.

Auch erscheinen die Umstände in der fünften Liga, wo der Wuppertaler SV nun ausschließlich Heimspiele austragen soll, weil die ZIS mit Gewalttäter-Zahlen operiert, die selbst Vereinsoffizielle nicht bestätigen können und wollen, als kaum noch seriös recherchiert. Dort wird die gesamte Niederrhein-Liga einem polizeilichen Sicherheitsdenken unterworfen, welches einem noch vernünftig zu realisierenden Spielbetrieb sowie einem verhältnismäßigen Sicherheitsanspruch im Wege steht.

Die BAG hält all diese Vorgehensweisen, ebenso wie die in Gelsenkirchen, Dortmund und anderswo getroffenen Maßnahmen für komplett ungeeignet, nicht nur im Hinblick auf diese konkreten Fälle, sondern auch im Sinne eines von allen eingeforderten gewaltpräventiven Ansatzes.

Wir fordern hiermit den zuständigen Innenminister auf, sich ganz klar hinter rechtsstaatliche Grundsätze zu stellen, auf Dialog statt auf Eskalation zu setzen und nicht zuletzt auch die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen.

 

i.A. Ralf Zänger  / Ole Wolff
BAG West Sprecher

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) kritisiert diskriminierende Nacktkontrollen beim Drittligaspiel SV Darmstadt 98 gegen Hallescher FC

Mainz / Jena, den 07. März 2013

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) kritisiert auf das Entschiedenste diskriminierende Kontrollmaßnahmen beim Drittligaspiel am 03. März 2013 zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem Halleschen FC. Nachdem die Anhänger des Gastvereins bereits bei der Zugabreise in Halle von Beamten der Bundespolizei sowie beim Betreten des Stadions am Böllenfalltor vom zuständigen Ordnungsdienst kontrolliert worden waren, wurden mindestens zwei Fans des HFC im Alter von 17 bzw. 20 Jahren in einem Zelt, welches zuvor auf Nachfrage dem HFC-Fanbeauftragten gegenüber als „Sanitäterzelt“ bezeichnet wurde, von Beamten der hessischen Landespolizei einer Vollkörperkontrolle unterzogen. Die beiden Betroffenen mussten sich vor den Polizeibeamten bis auf die Unterhose entkleiden, sich schließlich auch der Unterhose entledigen, und wurden im Anal- und Genitalbereich untersucht und dabei offenbar auch in diesem Bereich berührt. Die Betroffenen, bei denen übrigens keinerlei verbotenen Gegenstände o.ä. gefunden wurden, fühlten sich durch diese Maßnahme erheblich in ihrer Ehre und Würde verletzt. Es erfolgte keine Belehrung, dass man sich der Kontrollmaßnahme entziehen kann, indem man auf den Stadionbesuch verzichtet, sondern die Betroffenen wurden gegen ihren bekundeten Willen dieser Kontrolle unterzogen. Ebenfalls wurde die Begleitung durch eine Vertrauensperson (bspw. Fanprojektmitarbeiter) verwehrt. Unser um Klärung bemühter Kollege vom Fanprojekt Halle wurde von den Beamten gerügt und mit Verweis auf § 81 a StPO abgewiesen. Ungeachtet der Tatsache, dass beide Betroffene wohl kaum als „Beschuldigte“ im Sinne der Strafprozessordnung gelten dürften, und insofern § 81 a StPO ebensowenig zutreffend ist, wie dieser die Anwesenheit einer Vertrauensperson ausschließt, konterkariert dieser Umgang mit unserem Kollegen Steffen Kluge die vom „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) geforderte Kommunikation der Netzwerkpartner. Der durch nichts zu begründende Umgang mit den Betroffenen Fans wird als völlig unverhältnismäßig und unangemessen eingeschätzt und läuft sämtlichen Bemühungen um einen konstruktiven Dialog mit den aktiven Fanszenen zuwider.

Wir fordern die Landespolizei Hessen sowie den Veranstalter und Hausrechtsinhaber SV Darmstadt 98 zu einer Stellungnahme auf. Gleichzeitig fordern wir den Deutschen Fußball-Bund auf, künftig in seinem unmittelbaren Zuständigkeitsbereich der 3. Liga dafür Sorge zu tragen, dass Kontrollen angemessen und verhältnismäßig und unter Wahrung der Menschenwürde durchgeführt werden.

 

i.A. Thomas Beckmann / Matthias Stein
BAG-Sprecher

Pressemitteilung

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) zur Debatte in Folge der Veröffentlichung des „Jahresbericht Fußball für die Saison 2011/12“ des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW (LZPD NRW) u. der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS)

Mainz / Jena, den 26.11.2012

Die BAG der Fanprojekte zeigt sich empört von den jüngst erschienenen Presseartikeln und dem populistischen Auftreten der Polizeigewerkschaften in Bezug auf die von der ZIS veröffentlichte Statistik. Diese Stimmungsmache zeichnet ein völlig verzerrtes und unreales Bild der aktuellen Situation rund um Fußballspiele in Deutschland und ist in dieser Form nicht mehr hinnehmbar. Hier argumentieren Vertreter der Polizei mit Daten, die sie selber erhoben haben. Die Statistik ist keine wissenschaftlich fundierte empirische Studie. Vielmehr werden hier Zahlen präsentiert, die sich perfekt in die aktuelle Sicherheitsdebatte und die aufgeheizte Stimmung zwischen Fans und Verbandsfunktionären einreihen lassen.

Im Vergleich der Hysterieartikel fällt auf, dass plakativ mit Zahlen der ZIS-Statistik umgegangen wird, ohne die Hintergründe zu erfragen bzw. die richtigen Fragen zu stellen. Laut ZIS-Statistik gibt es eine Zunahme der verletzten Personen bei Fußballspielen, aber dass die Besucherzahlen um 1,3 Millionen Menschen zugenommen haben, interessiert dabei die wenigsten. Auffällig in diesem Zusammenhang ist die Abnahme der Anzahl verletzter Polizisten und die Zunahme verletzter Fans. Bedeutet dies, dass die Polizei sich selber besser schützen kann als die Fans? Oder deutet die Zunahme der verletzten Fans nicht möglicherweise auf vermehrt unverhältnismäßige Maßnahmen durch die Polizei hin (Stichwort: Pfeffersprayeinsätze)? Leider gibt die ZIS-Statistik darüber keine genaue Auskunft.

Die BAG der Fanprojekte nimmt mit Besorgnis die Zunahme der Arbeitsstunden der Polizei zur Kenntnis. Allerdings erscheint es bei den teilweise unangepassten und überdimensionierten Polizeieinsätzen nicht verwunderlich, dass Arbeitsstunden in die Höhe schnellen und enorme Kosten verursachen.

Natürlich ist die BAG der Fanprojekte über die Zunahme der registrierten Straftaten besorgt, doch hier gibt die ZIS-Statistik keinerlei Auskunft über die Form der Tat. Es ist zum Beispiel auch das vermehrte Abbrennen von Pyrotechnik nach dem Abbruch der Gespräche des DFB und der DFL mit der Initiative „Pyrotechnik legalisieren“ in dieser Statistik zu berücksichtigen.

Ebenso ist zu berücksichtigen, dass der verstärkte Einsatz von Polizeikräften zwangsläufig auch zu einer Steigerung der Aufklärungsquote führt. Hieraus einen generellen Anstieg an Straftaten herzuleiten ist nicht seriös.
Die Forderung der GdP, Schnellgerichte einzurichten und im Stadion Staatsanwälte bereitzustellen, steht in keinem Verhältnis zu dem im Grundgesetz verankerten Artikel 101.

Ebenso die Forderungen nach Fußfesseln erscheinen unverhältnismäßig und vollkommen überzogen. Das Stadion und das Umfeld bei einem Fußballspiel sind nicht losgelöst von der normalen Gerichtsbarkeit. Es kann nicht sein, dass ausschließlich für eine bestimmte Gruppe im Fußballkontext Sanktionen und Strafen erfunden werden, die auch nur dort verhängt werden sollen. In Betracht muss auch die Unverhältnismäßigkeit zwischen Strafanzeigen und den rechtskräftigen Verurteilungen bzw. Freisprüchen / Einstellungen von Strafverfahren gezogen werden.

Die BAG der Fanprojekte mahnt erneut zur Sachlichkeit und der Abkehr von der aktuellen „Gewalt in Stadien“-Hysterie. Gewalt ist ein gesellschaftliches Phänomen, welches keineswegs nur im Stadion zu finden ist, sondern auch in jedem anderen Bereich.

i. A. Thomas Beckmann / Matthias Stein
BAG-Sprecher