Nach den Ereignissen rund um die Kölner Fangruppierung „Wilde Horde“ geriet auch das nach dem NKSS arbeitende Kölner Fan-Projekt in die Kritik. Dass einige wenige Fangruppen derartige Gewalttaten begehen, ist erschreckend genug. Hier aber den Fan-Projekten die Verantwortung für solche Eskalationen anlasten zu wollen, geht am Problem vorbei, denn verantwortlich sind immer noch diejenigen, die die Gesetzesverstöße begehen. Solche Taten sind vielmehr Anlass, diese in den jeweiligen Fangruppen aufzuarbeiten. Dies ist ein Kern der Fansozialarbeit. Sie ist prozessorientiert und daher langfristig angelegt. Rückschläge können niemals der Anlass sein, dieses pädagogische Konzept grundsätzlich in Frage zu stellen. Wir als BAG West unterstützen daher die im Folgenden verlautbarte Presseerklärung unserer Kölner Kollegen.
Pressemitteilung
zu den aktuellen Vorfällen in der Kölner Fanszene „Wilde Horde“ Köln
Streetwork und die Arbeit mit der Aktiven Fanszene können nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Die Vorfälle der jüngsten Zeit, insbesondere der Angriff der Ultragruppierung „Wilde Horde“ auf den Bus der Fußballfans aus Mönchengladbach anlässlich der Rückreise vom Spiel TSG Hoffenheim – 1.FC Köln am 04.03.2012 machen nun aber eine Erklärung des sozialpädagogischen Kölner Fanprojektes notwendig.
Die Mitarbeiter des sozialpädagogischen Kölner Fanprojekts sind sehr erschrocken über die Übergriffe auf den Reisebus auf der Autobahn am 04.03.2012 und auf die Fans von Borussia Mönchengladbach. Diese Aktion hat nichts mit Fankultur zu tun und ist insbesondere in Anbetracht der Gefährdung von Leib und Leben der Gladbacher Fans nur kriminell zu nennen. Diese Haltung teilen im übrigen sehr viele Fußballfans der Südkurve, die sich der Ultrabewegung zurechnen. Es wird erwartet, dass Polizei und Justiz diesen Übergriff strafrechtlich verfolgen und entsprechend bewerten.
Solche Verhaltensweisen sind mit pädagogischer Intervention eines Fanprojektes nicht zu verhindern. Christoph Geißler, Fachberater des Trägers JugZ gGmbH zu dem Vorfall: „Ich erwarte nicht von meinen Mitarbeitern, dass sie Gewalt- und Straftaten verhindern könnten. Sie arbeiten präventiv und auch mit den gewaltgefährdeten jungen Menschen.“
Diese Aufgabe sieht das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) vor, notwendig ist die Rückbindung der Fans an den Verein. Daran arbeitet das pädagogische Fanprojekt seit Jahren kontinuierlich, jedoch weitgehend ohne öffentliche Präsentationen. Wichtiges Ziel ist, dass sich die Fangruppen nicht vom Verein abwenden, sondern mit dem Verein gemeinsam ihren positiven Beitrag zu einer stimmungsvollen Kurve im Stadion leisten. Notwendig ist, dass sie immer wieder in die normale Alltags-Welt zurück finden. Das Kölner Fanprojekt ist mit allen Beteiligten (den Ultras, der Polizei, dem Ordnungsamt und dem Verein) in einem moderativen Dialog. Nicht nur der Fanbeauftragte des 1.FC Köln, Rainer Mendel, sieht die Vermittlerrolle als unentbehrlich an.
Als eine der größten Ultra-Gruppen gehörte auch die Wilde Horde zu einer der Zielgruppen dieser Arbeit. Das Pädagogische Fanprojekt begleitet die Ultragruppen auch in problematischen Situationen. Leider haben sich offensichtlich interne Gruppenprozesse bei der „Wilden Horde“ sehr negativ entwickelt, die Abgrenzung zu Straftaten funktionierte immer schlechter. Dennoch ist es aus unserer Sicht wichtig, den Kontakt zu den jungen Menschen nicht abreißen zu lassen.
Die Eindämmung von Gewalt im Fußballzusammenhang und die gewaltpräventive Arbeit mit Jugendlichen sind mittelfristige pädagogische Prozesse mit den Methoden der Streetwork. Jugendliche Fans erwarten Verständnis für ihre individuelle Lebenssituation, sie erhalten Hilfe von den Pädagogen. Das Vermitteln von Grenzen ist in pädagogischen Prozessen selbstverständlich, jedoch im niederschwelligen Kontext nur möglich, wenn man die Jugendlichen ernst nimmt und begleitet.
Die größte Chance für eine positive Veränderung der Situation liegt in der Fanszene selbst.
„Fanprojekte sind in der Regel die wichtigste Anlaufstelle, die auch gerade in schwierigen Situationen verlässlich zur Verfügung steht, ein Vorfall wie dieser sollte nicht zum Anlass genommen werden, die Fanprojekt -Arbeit in Frage zu stellen“ sagt auch Marion Kowal von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt.
Die Finanzierung dieser Arbeit erfolgt nach dem NKSS mit je einem Drittelbeitrag in Höhe von 47.500 € durch Stadt, Land und DFL, also mit 142.500€. Die DFL ist bereit, diesen Beitrag auf 60.000 € aufzustocken, wenn die öffentlichen Geldgeber mitziehen.
Sollten Stadt Köln und das Land hier nicht mitziehen und auch keine Sponsoren gefunden werden, muss zum Saisonende eine der drei Stellen gestrichen werden.
Im Übrigen erhalten die Fangruppen, gleich welcher Gruppierung und Ultrabewegung sie zuzurechnen sind, keine Zuschüsse oder öffentlichen Mittel des Landes, der Stadt und der DFL.
Der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger erklärte im Sportausschuss des Deutschen Bundestages im November 2008 zum Deutschen Weg im Umgang mit den Ultragruppierungen: „Wenn es die pädagogischen Fanprojekte nicht schon gäbe, müssten sie erfunden werden.“
Sozialpädagogisches Kölner Fanprojekt
Carsten Blecher, Leitung
Gereonswall 112
50670 Köln
Tel. 0221/16 85 69 74
Fax: 0221/16 85 66 44
Email:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
In Trägerschaft der JugZ gGmbH
Jugendzentren Köln gGmbH
Christiantraße 82
50825 Köln